Mit dem Kadett B aus dem Alltag auf die Rennstrecke

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Wir durften dieses Mal einen ganz privaten Blick in die Garage von Marcel Rizkallah werfen. Er ist seit 2016 Mitglied im Deutschen Oldtimer Club. Seine Leidenschaft gilt insbesondere den Fahrzeugen der Marke Opel. In unserer Home-Story stellt sich unser Clubmitglied mit seinem Fuhrpark vor und berichtet, wie er mit dem Kadett B die Freude an Oldtimer-Rennen fand.

Hallo liebe Mitglieder,

heute darf ich mich vorstellen.

Ich heiße Marcel, bin gerade 50 Jahre alt geworden und fröhne dem Oldtimer-Hobby seit 1993.

Als Projektleiter in der Automobilindustrie beschäftige ich mich tagsüber mit Autos, die in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen. Nach Feierabend widme ich mich dann dem alten Blech. Die Amerikaner nennen so etwas wohl einen „car guy“ oder Petrolhead. Meine Frau nennt es eine Macke.

Meine Karriere verlief klassisch. In meiner Ausbildungszeit zum Industriemechaniker (Schlosser) habe ich, direkt nach dem Erwerb meines Führerscheins, angefangen das Auto meiner Mutter zu verschönern. Tiefer legen, Sportlenkrad, breite Reifen und die Hutablage mit riesigen Löchern verschandeln, damit die großen Basslautsprecher auch Platz finden. Das fällt wohl unter Jugendsünden und dürfte inzwischen verjährt sein.

Zu meinem ersten Oldtimer kam ich durch die Arbeit in einem Metallbaubetrieb vor dem Studium. Ein Arbeitskollege bot mir für 300 Mark einen 1966er Opel Kadett B in weiß mit blauer Innenausstattung an. Der Wagen stand mehrere Jahre, bereits teilzerlegt, unter eine Plane bei ihm im Vorgarten. Ich war jung und hatte wenig Geld, da griff ich zu. Der Bausatz wurde zu einem Freund in eine Scheune gebracht und dort erst einmal notdürftig wieder zusammengebaut. Neue Batterie, etwas Sprit und Startpilot und der Motor lief. Opel, der zuverlässige halt.

Während der Studienzeit in einer entfernten Stadt konnte ich nicht am Auto weiterarbeiten, habe aber fleißig Teile gesammelt. Bleche, Innenausstattung, neue Weißwandreifen mit Zierringen und Radkappen. Zur Erinnerung: Ende der 90er Jahre kam das Internet gerade erst auf. Damals fuhr man noch klassisch auf Teilemärkte oder stöberte in den lokalen Anzeigeblättern.

Nach Beendigung des Studiums wollte ich es endlich angehen und mietete mich für eine Woche in einer Hobbywerkstatt ein, in dem Glauben, die paar Bleche schnell einschweißen zu können. Tja, was soll ich sagen, neben der Revision der Bremsen habe ich noch den linken Innenschweller geschafft.

Da musste ich mir leider eingestehen, dass es meine Fähigkeiten übersteigt. Ich versuchte zunächst, den Kadett als Bastlerfahrzeug zu verkaufen. Da aber niemand Interesse hatte, wurde der Wagen geschlachtet.

Nun hatte ich noch mehr Kadett-Teile, aber immer noch kein Auto. Nach einer Suchanzeige in der Oldtimer Markt erhielt ich diverse Angebote, darunter leider sehr viele schlechte oder schlecht reparierte Fahrzeuge. Zum Glück befand sich unter den Angeboten auch ein Opel-Sammler in Zülpich. Angerufen, hingefahren und den besten Wagen mitgenommen: eine 1967er Limousine in L(uxus) Ausstattung, mit Schiebedach und Scheibenbremsen vorne. Der Wagen war dritte Hand (davon die ersten 26 in erster Hand) und gerade mal 62 tausend Kilometer gelaufen. Ungeschweißt, im Originallack. 2004 hat er 3.000 Euro gekostet.

Mit diesem Auto haben dann meine Frau und ich das Hobby richtig begonnen. Angeregt durch diverse Berichte wollten wir Oldtimer (Orientierungs-)Rallyes fahren. Wir besuchten einen ORI Rallyekurs und sind im ersten Jahr acht Rallyes gefahren.

Da mit der Zeit auch der Anspruch wuchs, erhielt der Kadett einen Tripmaster, zwei Stoppuhren und bessere Sitze nachgerüstet. Schließlich sind wir überall hin auf eigener Achse gefahren. Meiner Frau missfielen die Umbauarbeiten: „Wie kannst Du nur das schöne Auto so verschandeln“?

Die Lösung meiner Probleme lieferte ein Online-Auktionshaus. Ein optisch auf Rallyekadett gemachtes Fastback stand zum Verkauf. Den zeigte ich meiner Frau und sie sagte: „Kauf den, damit Du den anderen nicht weiter verbastelt!“ Im Sinne des ehelichen Friedens fügte ich mich diesem Auftrag und erwarb das Kraftfahrzeug.

Nun hatte ich etwas zu basteln, denn der Wagen war ziemlich runtergerockt und hatte akuten Wartungsstau. Endlich konnte ich richtige Sportsitze und Hosenträgergurte einbauen, am Blech rumschnibbeln, mit der Sprühdose in der Garage Kotflügel lackieren und jede Menge Aufkleber verteilen.

Nach der Geburt unserer ersten Tochter, wurden die Rallyes erst einmal weniger (meine Frau kann nicht mehr beim Fahren lesen, ohne dass ihr schlecht wird). Seit ein paar Jahren fahren wir sporadisch als Familie und die große Tochter hat schon als sehr gute Kartenleserin ein paar Pokale ergattert. Es ist also glücklicherweise ein Familienhobby geworden. Dazu musste ich aber auch viel Zeit in frühkindliche Bildung investieren. Ich habe die Mädels so oft es ging auf Oldtimermärkte, Messen und Veranstaltungen mitgenommen. Wenn Kinder mit dem Hobby aufwachsen, ist das für sie normal. Beide sind gerne bei mir in der Garage, helfen mit oder basteln etwas Eigenes.

2011 folgte dann mit dem Rallyekadett der Einstieg in den Motorsport. Meine erste Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) auf der Nordschleife bestand der Wagen mit Bravour. Wir waren zwar mit 60PS die Langsamsten, aber auch das älteste Auto im Feld. Platz 8 bei den Rookies lautete dann das Ergebnis der Jahreswertung.

Wer einmal die Faszination der Nordschleife erlebt hat, der ist von ihr besessen. Fast sieben Jahre lang bin ich dann mit wechselnden Beifahrern GLP gefahren. Da man gegen die eigene Referenzzeit fährt, kommt es nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf Präzision an. Der Wagen erhielt in der Zeit auch eine deutliche Leistungssteigerung und viele Verbesserungen an Fahrwerk, Bremsen und Sicherheitsausstattung.

Weihnachten 2018 habe ich dann den Entschluss gefasst, einmal bei den 24h Classics mitzufahren. Das Classic Rennen ist ein 3-Stunden Rennen im Vorprogramm des echten 24h Rennens. Was mir damals gefehlt hatte, war eine Art Mentor, der mir die wichtigsten Fragen beantworten kann. Wer ist der Organisator dieses Rennens, was sind die technischen Voraussetzungen, welche Lizenzen werden benötigt, was kostet das alles?

Da ich niemanden hatte, musste ich mich mühsam durch diverse Reglements kämpfen, habe mit vielen Leuten gesprochen, beim ADAC und DMSB nachgefragt, und, und, und. Um es kurz zu machen: Der Sprung von einem straßenzugelassenen sportlichen Oldtimer (mit dem man auch auf der Nordschleife fahren darf) zu einem DMSB-konformen Rennwagen mit Wagenpass ist teuer. Sehr teuer. Und am Auto mussten etliche Veränderungen vorgenommen werden. Hinzukommt die unverzichtbare persönliche Schutzausrüstung, inklusive HANS System.

Im Herbst 2019 war das Auto dann fertig, inklusive Wagenpass und rennbereit. Im Oktober fuhr ich dann im Rahmen der Youngtimer Trophy (dem Veranstalter der 24h Classics) mein erstes Rennen am Nürburgring. Bei 4°C, Nieselregen und Nebel mit 50 Meter Sichtweise… Und trotzdem war es grandios!

Die Rennsaison 2020 war durch Corona eher durchwachsen, startete erst im Juni, und das 24h Rennen wurde vom Mai in den September verschoben. Da ich ausbildungsbedingt bis auf eine hochwertige Lackierung viel selbst machen kann, halten sich die laufenden Kosten in Grenzen. Das Schrauben nach Feierabend ist auch ein schöner Ausgleich, nach einem anstrengenden Tag im Büro. Gerade im historischen Motorsport macht es viel Freude, etwas Eigenes zu konstruieren, um es dann auf der Rennstrecke auszuprobieren.

Was noch auf meiner Wunschliste weit oben steht, ist die Teilnahme an der Winterrallye Histo Monte Carlo. Ich bin schon ein paar Winterrallyes gefahren und die Fahrten im alten Auto bei Schnee machen unheimlich viel Spaß. Und man trifft viele Gleichgesinnte, mit dem ähnlichen Krankheitsbild.

Im Sommer 2018 erhielten wir ungeplant Zuwachs. Für den runden Geburtstag meiner Frau besorgte sie zwei Kisten Kölsch. Ich rief ihr noch hinterher, sie solle doch bitte Früh-Kölsch kaufen, denn die hatten anlässlich deren fünfzigsten Geburtstages drei Oldtimer zu verlosen.

Völlig unvorbereitet erhielt ich dann im Büro irgendwann einen Anruf der Früh-Brauerei. Ich war etwas überrascht und witzelte noch: „Habe ich das Bonanza Rad gewonnen?“ „Nein, Sie wurden aus 420.000 Losen gezogen und haben einen der drei Hauptgewinne gewonnen.“ Patsch, zum Glück saß ich schon.

Einen roten 1968er Volvo P144 S, aus der Schweiz. Komplett original, ungeschweißt, größtenteils Originallack, innen schwarzes Kunstleder, wie neu. Ein echter Familienoldtimer.

Der erste Kadett ist inzwischen ein echtes Familienmitglied, war unser eigener Hochzeitswagen und wurde in den zurückliegenden 16 Jahren nur weitere 14.000 Kilometer bewegt. Er bleibt in der Familie und ich habe mir selbst versprochen, dass ich mit diesem Auto auch meine beiden Töchter zum Altar fahren werde. Also werde ich ihn weiter pflegen, Instand halten und fahren. Denn dafür sind Autos ja eigentlich gemacht.

Marcel R. aus Köln, 20. April 2021

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